KI im Studium: Was ist erlaubt?
Künstliche Intelligenz kann Sie im Studium in vielen Phasen unterstützen – etwa beim Strukturieren von Ideen, beim Verständnis komplexer Inhalte oder bei der Überarbeitung von Texten. Gleichzeitig gelten klare Regeln dafür, wie und in welchem Umfang KI im Studium eingesetzt werden darf.
Haltung der Universität Wien
Die Universität Wien unterstützt den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Studium, sofern dieser transparent, regelkonform und wissenschaftlich redlich erfolgt und Sie bei der Erreichung der Studienziele unterstützt.
Ob und wie der Einsatz von KI erlaubt ist, hängt immer vom jeweiligen Kontext ab. Im Zweifel gilt: KI ist nicht erlaubt, solange keine klare Erlaubnis vorliegt.
Grundsätzliche Rahmenbedingungen für die KI-Nutzung
Der Einsatz von KI im Studium ist nicht grundsätzlich verboten, aber auch nicht uneingeschränkt erlaubt. Ob und wie Sie KI nutzen dürfen, hängt immer vom jeweiligen Kontext ab, insbesondere von:
- der Art der Lehrveranstaltung
- dem Prüfungs- oder Aufgabenformat
- den konkreten Vorgaben der Lehrperson (Fragen Sie bitte nach!)
- den jeweiligen Studienzielen
- den Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis
Grundsätzlich gilt:
Sie tragen die volle Verantwortung für alle Leistungen, die Sie einreichen – auch dann, wenn Sie KI-Tools verwendet haben.
Das heißt konkret:
- Sie haften für Richtigkeit, Qualität und Nachvollziehbarkeit Ihrer Arbeit
- Fehlerhafte Aussagen, Verzerrungen oder erfundene Quellen gehen zu Ihren Lasten
- KI kann Sie beim Arbeiten unterstützen, die inhaltliche Leistung und das eigenständige Denken müssen jedoch von Ihnen selbst erbracht werden.
Lernziele im Studium und Eigenständigkeit
Im Studium an der Universität Wien verfolgen Lehrveranstaltungen und Prüfungen klar definierte Lernziele. Diese zielen darauf ab, fachliche Kompetenzen aufzubauen und wissenschaftliches Arbeiten zu erlernen. Dazu gehört, Inhalte zu verstehen und korrekt darzustellen, Wissen auf eigene Fragestellungen anzuwenden sowie eigenständig zu argumentieren, Texte strukturiert aufzubauen und Quellen sachgerecht zu verwenden.
Wissen und Fähigkeiten, die für das Erreichen der Lernziele erforderlich sind, müssen selbstständig erarbeitet werden.
Übernimmt eine KI diese Aufgaben, können die Lernziele nicht erreicht werden. Die mit den Lernzielen zu erreichenden Kompetenzen werden in unterschiedlichen Lehrveranstaltungs- und Prüfungsformaten sichtbar gemacht, etwa in Prüfungen, Referaten oder schriftlichen Arbeiten. Diese Kompetenzen müssen eigenständig erbracht werden. Das bedeutet: Ihre Arbeit muss Ihre eigenen Überlegungen und Lernprozesse widerspiegeln.
Daraus ergibt sich dann auch, wie KI im Studium grundsätzlich eingesetzt werden darf:
-
Sie kann beim Lernen unterstützen, etwa bei der Strukturierung von Gedanken oder bei der sprachlichen Überarbeitung.
-
Sie darf jedoch nicht jene Kompetenzen übernehmen, die im Rahmen einer Lehrveranstaltung oder Prüfung überprüft werden sollen.
Wie KI-Tools genutzt werden können, hängt also maßgeblich vom jeweiligen Lernziel ab, und diese können sich von Lehrveranstaltung zu Lehrveranstaltung unterscheiden.
Beispiel:
Sie übersetzen in einer wissenschaftlichen Arbeit zu einem bestimmten Thema eine Textpassage aus dem Französischen, um sich mit dem konkreten Inhalt auseinanderzusetzen. In diesem Fall kann der Einsatz eines KI-Übersetzungstools unproblematisch sein, sofern die Übersetzung auf Korrektheit geprüft und der KI-Einsatz offengelegt wird.
Anders verhält es sich in einem Sprachstudium, bei dem das Übersetzen selbst ein zentrales Lernziel ist. Wenn Sie hier eine Übersetzungsaufgabe an ein KI Tool übergeben, würde das die Eigenständigkeit der Leistung untergraben, die von Ihnen erwartet wird.
Wenn die KI Ihre Leistungen erbringt, widerspricht das der wissenschaftlichen Redlichkeit und dem Prinzip der Eigenständigkeit. Ob Sie Künstliche Intelligenz im Studium einsetzen dürfen, hängt also in erster Linie davon ab, ob dadurch die geforderten Lernziele und Ihre eigenständige Leistung gewahrt bleiben.
Zusammengefasst:
KI darf unterstützen, aber nicht die Leistung erbringen, die von Ihnen erwartet wird.
Diese Empfehlung lässt sich konkret umsetzen, indem ein KI-Tool gezielt so gestaltet wird, dass es die Unterstützung optimal an die jeweiligen Lernziele anpasst. Hierfür lässt sich eine Art KI-Tutor entwickeln, der unterstützend wirkt, aber gleichzeitig hilft, die Eigenständigkeit zu wahren.
Was ist erlaubt? Und was nicht?
Ob und wie Sie KI in einer Lehrveranstaltung oder bei einer Prüfung einsetzen dürfen, ergibt sich aus den Lernzielen, den Grundregeln der guten wissenschaftlichen Praxis und den Vorgaben der jeweiligen Lehrperson. Prüfen Sie daher immer zuerst
- die Angaben in u:find
- Hinweise auf Moodle sowie
- Informationen zu konkreten Aufgaben und Prüfungen.
Wenn die Nutzung von KI dort nicht eindeutig geregelt ist, klären Sie diese vorab mit der Lehrperson. Gehen Sie im Zweifel davon aus, dass KI nicht erlaubt ist, solange keine ausdrückliche Erlaubnis vorliegt.
-
Das ist in der Regel erlaubt:
Sie dürfen KI nutzen, wenn Sie die inhaltliche Verantwortung behalten und die Eigenständigkeit Ihrer Leistung gewahrt bleibt, zum Beispiel:
- zur Ideenfindung oder zur Strukturierung von Themen
- zum Überblick über ein neues Thema oder zur Vorbereitung auf die Lektüre
- zur sprachlichen Überarbeitung eigener Texte
- zur Unterstützung bei der Reflexion oder beim Überprüfen von Verständlichkeit
- zum Formulieren von Beispielen oder Alternativen, die Sie selbst prüfen und einordnen
Voraussetzung ist immer, dass der Einsatz von KI mit den Vorgaben der Lehrperson vereinbar ist und die eigenständige Leistung nicht ersetzt.
-
Das ist nicht erlaubt:
Nicht zulässig ist der Einsatz von KI, wenn dadurch die geforderten Kompetenzen unterlaufen werden oder die Nutzung nicht offengelegt wird. Es ist daher nicht erlaubt,
- KI-generierte Texte oder Lösungen als eigene Leistung einzureichen
- KI Aufgaben, Analysen oder Argumentationen vollständig oder überwiegend übernehmen zu lassen
- KI bei Prüfungen oder Leistungsüberprüfungen zu nutzen, wenn sie nicht ausdrücklich erlaubt ist
- Inhalte von KI zu übernehmen, ohne diese kenntlich zu machen
- automatisch erzeugte Quellen, Zitate oder Literaturlisten ungeprüft zu verwenden
Ein solcher Einsatz ist ein Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und kann als Schummeln gewertet werden.
Datenschutz und Urheberrecht
Neben den Vorgaben, die sich aus den Lernzielen, den Grundregeln der guten wissenschaftlichen Praxis und den Vorgaben der jeweiligen Lehrperson ergeben, sind im Umgang mit KI auch Regelungen zum Datenschutz und Urheberrecht relevant.
-
Urheberrecht
KI-generierte Inhalte sind urheberrechtlich nicht geschützt, dürfen aber dennoch nicht als eigene wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden. Auch beim Hochladen von Texten in KI-Tools gibt es dabei einiges zu beachten.
-
Datenschutz
Beim Einsatz von KI-Tools im Studium ist besondere Vorsicht geboten, wenn mit personenbezogenen oder vertraulichen Daten gearbeitet wird. Nicht immer ist nachvollziehbar, wie eingegebene Inhalte gespeichert oder weiterverarbeitet werden.
Dinge, für die Sie KI nicht einsetzen sollten
Auch wenn KI beeindruckende Fähigkeiten zeigt, gibt es Bereiche, in denen sie nicht eingesetzt werden sollte, da sie die Eigenständigkeit im wissenschaftlichen Arbeiten oder Ihre Lernprozesse untergraben könnte:
-
Lernen neuer Inhalte
KI-Zusammenfassungen können einen Überblick geben, ersetzen aber nicht die eigenständige Auseinandersetzung mit Texten.
-
Aufgaben, die absolute Genauigkeit verlangen
Die gängigen KI-Modelle arbeiten auf Basis von Wahrscheinlichkeiten und sind daher für Aufgaben, die Präzision erfordern wie zB exakte Berechnungen, nicht geeignet.
-
Aufgaben, für die KI ungeeignet ist
KI schneidet bei bestimmten Aufgaben überraschend schlecht ab und kann dabei sogar Fehler produzieren, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.
-
Wenn der Weg das Ziel ist
Schreiben lernt man nur durch Schreiben. Warum dieser Prozess nicht an KI ausgelagert werden kann und wie KI dabei trotzdem unterstützen kann, zeigt dieser Abschnitt.
KI und Prüfungen
KI kann die Prüfungsvorbereitung unterstützen, ersetzt aber weder das eigenständige Lernen noch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff. Dabei gilt es einiges zu beachten.