KI und Prüfungen
KI kann im Studium und in der Prüfungsvorbereitung sinnvoll unterstützen, etwa beim Strukturieren des Lernprozesses, bei Wiederholung, Feedback oder Selbstüberprüfung.
Entscheidend ist jedoch: Ob und wie KI bei Prüfungsleistungen erlaubt ist, legen die jeweiligen Lehrenden fest. Studierende tragen die volle Verantwortung für die Eigenständigkeit, Richtigkeit und Transparenz ihrer Leistungen. KI ersetzt weder das eigene Lernen noch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff.
Prüfungsleistungen mit KI: Was gilt?
Unter einer Prüfung versteht die Universität Wien eine formale Gelegenheit, bei der Sie den Stand Ihrer erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie das Erreichen der im Curriculum festgelegten Studienziele nachweisen können. Dabei geht es nicht nur um die bloße Leistungsfeststellung zur Vergabe einer Note oder eines akademischen Grades, sondern auch um wertvolles Feedback zu Ihrem Lernfortschritt sowie die Wahrung von Fairness und wissenschaftlicher Integrität. Zu Prüfungen zählen neben mündlichen und schriftlichen Prüfungen auch schriftliche Arbeiten und Präsentationen.
In Zeiten von KI wandelt sich das Verständnis von Prüfungen zudem weg von reiner Wissenswiedergabe hin zur Überprüfung höherer Kompetenzniveaus wie Reflexion, Transfer und Gestaltung, wobei neben dem fertigen Ergebnis zunehmend auch Ihr persönlicher Entstehungsprozess im Fokus steht.
Ob und wie Sie KI in Prüfungen verwenden dürfen, entscheiden die jeweiligen Prüfer*innen.
- Wo finden Sie die Regeln? Die verbindlichen Vorgaben, welche KI-Hilfsmittel für eine spezifische Lehrveranstaltung oder Prüfung erlaubt sind, finden Sie direkt in der Lehrveranstaltungsbeschreibung in u:find. Grundsätzlich gilt: Alles, was dort nicht explizit als erlaubt angeführt ist, gilt als verboten. Bei Unsicherheiten sollten Sie immer das Gespräch mit Ihren Lehrenden suchen, um die Erwartungen und Rahmenbedingungen frühzeitig zu klären.
- Transparenz und Dokumentation: Wenn Sie KI-Tools für schriftliche Arbeiten nutzen dürfen, müssen Sie diesen Einsatz im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis vollständig offenlegen
- Veränderte Prüfungsformate: Stellen Sie sich darauf ein, dass Prüfungen vermehrt Kompetenzen wie Reflexion und Transfer abfragen. Um die Eigenständigkeit Ihrer Leistung sicherzustellen, können schriftliche Arbeiten durch mündliche Teilleistungen, Plausibilitätschecks oder notenrelevante Gespräche ergänzt werden.
- Persönliche Verantwortung: Sie tragen die volle Verantwortung für die Richtigkeit, wissenschaftliche Wahrheit und Integrität Ihrer eingereichten Ergebnisse. Da Sprachmodelle keine „Wissensmaschinen“ sind und zu Halluzinationen neigen können, müssen Sie alle KI-generierten Inhalte kritisch prüfen.
- Konsequenzen bei Missbrauch: Die Nutzung nicht erlaubter KI-Tools gilt als wissenschaftliches Fehlverhalten. Dies führt zu einer Nichtbeurteilung (Eintragung eines „X“) oder der Nichtigerklärung einer bereits vergebenen Note. In schwerwiegenden Fällen kann das Rektorat einen Ausschluss vom Studium für bis zu zwei Semester aussprechen.
KI in der Prüfungsvorbereitung
KI-Tools können das Lernen für Prüfungen unterstützen, wenn sie gezielt und reflektiert eingesetzt werden. Sie ersetzen kein eigenständiges Lernen, können aber helfen, den Lernprozess zu strukturieren, zu vertiefen und zu reflektieren.
Wofür kann KI sinnvoll eingesetzt werden?
KI-Tools können insbesondere bei der Organisation und Begleitung des Lernprozesses hilfreich sein. Dazu zählen unter anderem:
- Reflexion des eigenen Zeitmanagements
- Unterstützung bei der Lernorganisation und Priorisierung
- Erstellung und Anpassung von Lern- und Wiederholungsplänen
- Motivation durch strukturierte Lernschritte oder spielerische Elemente
- Wiederholung von Stoff, zB durch Fragen oder Lernpläne zu bestimmten Themen
- Überblick über zentrale Begriffe, Konzepte oder Themenfelder
Das bedeutet: KI kann helfen, den Lernprozess zu strukturieren, ersetzt aber nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff.
Wie kann ich KI-Tools zum Lernen konkret einsetzen?
KI-Tools können beim Lernen auf unterschiedliche Weise unterstützen – insbesondere dann, wenn sie gezielt für Organisation, Wiederholung, Feedback und Selbstüberprüfung genutzt werden. Die folgenden Beispiele zeigen typische Einsatzszenarien, die Studierende sinnvoll in ihre Prüfungsvorbereitung integrieren können.
Personalisierte Lernplattformen
Einige Lernplattformen nutzen KI, um Lernprozesse individuell zu begleiten und an den persönlichen Lernfortschritt anzupassen.
- So kann etwa Duolingo im Sprachenlernen dabei helfen, regelmäßig zu üben, Schwächen zu erkennen und Aufgaben automatisch an das eigene Niveau anzupassen.
- Khan Academy bietet insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften adaptive Übungsformate, die auf bereits gelöste Aufgaben reagieren.
- Auch Lernkarten-Apps wie Anki können beim Lernen unterstützen. Sie helfen beim Erstellen von Lernkarten und präsentieren diese mithilfe von Wiederholungsalgorithmen genau dann, wenn Inhalte erfahrungsgemäß wiederholt werden sollten. Das kann insbesondere bei der langfristigen Prüfungsvorbereitung hilfreich sein.
- Ein sehr vielseitiges Tool ist Notebook LM. Hier können Sie sich aus selbst hochgeladenenen Dokumenten Audio-Zusammenfassungen in Form von Podcasts, Quizzes, Lernkarten, Videos und Infografiken erstellen.
KI unterstützt hier die Organisation und Wiederholung, nicht das eigentliche Verstehen.
Aktives Feedback
KI-Tools können als aktive Feedback-Partner beim Lernen genutzt werden. Das KI Tool kann
- Lernstrategien vorschlagen
- Lernziele beurteilen
- Rückmeldung auf selbst formulierte Antworten geben
- gezielte Verständnisfragen stellen
- Verbesserungsvorschläge geben
- auf Unklarheiten oder Lücken in einer Erklärung hinweisen
- alternative Perspektiven aufzeigen
Beispiel:
Sie beantworten eine Prüfungsfrage schriftlich und lassen die KI anschließend prüfen, ob die Antwort schlüssig ist, welche Punkte noch fehlen oder wo Begriffe ungenau verwendet wurden. Die inhaltliche Verantwortung bleibt dabei bei Ihnen.
Intelligente Assistenz bei Verständnisfragen
Einige KI-gestützte Anwendungen unterstützen beim Bearbeiten konkreter Aufgaben oder beim Verstehen komplexer Inhalte.
- Apps wie Socrat.ai können beim Lösen von unterschiedlichen Aufgaben helfen, indem sie Schritte erklären und zusätzliche Ressourcen bereitstellen
- Tools wie Perplexity können für eine erste thematische Orientierung oder eine grobe Recherche genutzt werden.
- Generative KI-Tools wie ChatGPT oder u:ai können eingesetzt werden, um komplexe Inhalte in einfacher Sprache erklären zu lassen, zentrale Begriffe eines Themengebiets zusammenzustellen oder Zusammenhänge anhand von Beispielen zu verdeutlichen.
Wichtige Hinweise für das Lernen mit KI
Der Einsatz von KI-Tools kann den Lernprozess unterstützen, bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Um KI sinnvoll und verantwortungsvoll zu nutzen, ist es wichtig, einige grundlegende Aspekte zu berücksichtigen.
- Auf Grund ihrer Funktionsweise kann KI fehlerhafte, unvollständige oder ungenaue Informationen liefern, auch wenn diese plausibel klingen.
Gleichen Sie daher die Antworten immer mit Ihren Unterlagen ab.
- Fachbegriffe können je nach Disziplin unterschiedlich verwendet werden. Wenn eine KI nach einer Definition von Fachbegriffen gefragt wird, greift sie in der Regel auf jene Bedeutung zurück, die in ihren Trainingsdaten am häufigsten vorkommt. Das kann dazu führen, dass Definitionen nicht zum konkreten Fach passen oder fachspezifische Nuancen fehlen.
Übernehmen Sie Definitionen oder Erklärungen nur dann, wenn sie mit den fachlichen Anforderungen Ihrer Lehrveranstaltung übereinstimmen.
- KI-gestützte Lernangebote können den Lernprozess stark strukturieren, etwa durch vorgegebene Lernpfade, automatische Wiederholungen oder empfohlene Inhalte. Das kann hilfreich sein, birgt aber auch die Gefahr, dass der eigene Lernprozess zu stark fremdgesteuert wird: Lernen ist individuell und nicht jede Empfehlung einer KI passt zur eigenen Lernweise.
Setzen Sie daher bewusst eigene Schwerpunkte.
- Ein häufiger Risikofaktor ist die zunehmende Abhängigkeit von KI-Tools. Wenn Erklärungen, Lösungswege oder Zusammenfassungen regelmäßig von KI übernommen werden, kann dies die Fähigkeit beeinträchtigen, Inhalte selbstständig zu durchdenken und Probleme eigenständig zu lösen.
Gerade zu Beginn des Studiums ist es daher sinnvoll, KI zurückhaltend einzusetzen und zunächst eigene Lernstrategien zu entwickeln.
Tipp: Kombinieren Sie digitale und analoge Lernmethoden
KI-gestütztes Lernen ist am effektivsten, wenn es mit anderen Lernformen kombiniert wird. Lehrbücher, Skripten, Vorlesungsunterlagen, Videos oder Übungsblätter bleiben zentrale Lernressourcen. Darüber hinaus fördert auch das Erstellen handschriftlicher Notizen die Verarbeitung von Zusammenhängen.
Der reflektierte Umgang mit KI ist selbst eine Kompetenz, die erlernt werden muss. Dazu gehört zu verstehen, wofür KI geeignet ist und wofür nicht, präzise und zielgerichtete Prompts zu formulieren, Antworten kritisch zu bewerten und die eigene Verantwortung im Lernprozess wahrzunehmen. Dieser Umgang entwickelt sich mit Erfahrung und erfordert kontinuierliche Reflexion.
Unabhängig davon, welche Tools eingesetzt werden, gilt:
- Die Verantwortung für den Lernprozess, für das Verständnis der Inhalte und für die Ergebnisse liegt immer bei Ihnen.
- KI kann unterstützen, strukturieren und Anregungen geben. Lernen, Verstehen und Beurteilen bleiben jedoch eigenständige Leistungen.
