Eigenständigkeit wahren: KI erzeugt oder KI gestützt?
Wenn Sie KI im Studium einsetzen, ist entscheidend, wie viel eigene Leistung in Ihrer Arbeit steckt. Eine hilfreiche Orientierung ist die Unterscheidung zwischen KI-erzeugten Inhalten und KI-gestütztem Arbeiten. Diese Unterscheidung hilft Ihnen einzuschätzen,
- was als eigene Leistung gilt,
- was problematisch ist,
- und wie Sie den KI-Einsatz transparent machen sollten
KI als Erzeuger wissenschaftlicher Inhalte
Werden Textabschnitte oder ganze Texte direkt aus einem KI-Tool übernommen, ohne sie wesentlich zu überarbeiten, gilt dies nicht als eigenständige wissenschaftliche Leistung. In diesem Fall stammen die zentralen inhaltlichen Entscheidungen aus dem KI-System; Ihr eigener Beitrag beschränkt sich auf den Prompt, der der KI die wesentlichen Entscheidungen überlässt und inhaltlich nicht ausreichend austeuernd wirkt. Solche Übernahmen stehen im Widerspruch zu den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis.
KI als ausführendes Hilfsmittel
Damit ein mit KI verfasster Text als Eigenleistung gilt, muss eine maßgebliche menschliche Leistung vorliegen, die die Gestalt des generierten Textes wesentlich bestimmt. In diesem Fall dient das KI-Tool als ausführendes Instrument. Das ist der Fall,
- wenn ein sehr ausgefeilter Prompt vorhanden ist, der selbst erstellt wurde und für dessen Erstellung unter Umständen sogar prüfungsrelevantes Wissen vorhanden sein muss,
- wenn Text durch die Verknüpfung stark steuernder Prompts entsteht, die die wesentlichen gestalterischen Entscheidungen vorgeben und nicht dem KI-Tool überlassen,
- wenn die Nutzer*innen den generierten Text im Sinne eines Denkanstoßes selbstständig weiter bearbeiten. (vgl. Salden und Leschke 2023)
In diesen Fällen ergänzt KI den wissenschaftlichen Arbeitsprozess, ohne die Eigenleistung zu ersetzen. Wichtig ist, dass die inhaltlichen Entscheidungen bei Ihnen liegen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie KI
- zur Ideenfindung oder als Denkanstoß nutzen,
- um Struktur- oder Gliederungsvorschläge zu erhalten, die die Grundlage für eine Weiterbearbeitung bilden (keine 1:1 Übernahme)
- als Reflexionshilfe einsetzen, um zB Argumente zu überprüfen,
- oder zur sprachlichen Überarbeitung eigener Texte verwenden.
Entscheidend ist, dass Sie KI-Ergebnisse kritisch prüfen, eigenständig weiterentwickeln und in Ihre eigene Argumentation einbetten. Je aktiver Sie KI steuern und je mehr Sie selbst entscheiden, desto klarer bleibt Ihre Eigenleistung.
KI gezielt steuern und Eigenständigkeit wahren
Wie hilfreich ein KI-Ergebnis ist, hängt wesentlich davon ab, wie präzise und reflektiert eine Anfrage formuliert wird. KI-Tools reagieren nicht eigenständig auf wissenschaftliche Anforderungen, sondern orientieren sich an den Vorgaben, die sie durch sogenannte Prompts erhalten.
Das bedeutet: Je klarer Sie Ziel, Kontext und Rahmenbedingungen benennen, desto besser lässt sich KI als unterstützendes Werkzeug einsetzen. Durch gezieltes Prompten behalten Sie die Kontrolle über den Arbeitsprozess, steuern Richtung und Tiefe der Antworten und stellen sicher, dass die inhaltlichen Entscheidungen weiterhin bei Ihnen liegen. KI liefert damit Anregungen – die wissenschaftliche Einordnung und Weiterentwicklung bleibt Ihre Aufgabe.
Prompt-Tipp: So formulieren Sie Prompts, die Ihre Eigenleistung sichern
Formulieren Sie Prompts so, dass die KI nicht für Sie denkt oder schreibt, sondern Sie beim eigenen Denken unterstützt. Bitten Sie um Fragen, Alternativen, Rückmeldungen oder Strukturvorschläge, nicht um fertige Texte oder inhaltliche Entscheidungen. Bewährt haben sich Prompts, die:
- die KI auf eine unterstützende Rolle festlegen (zB Feedback, Reflexionshilfe),
- klar benennen, was die KI nicht tun soll (zB keine fertigen Argumente),
- deutlich machen, dass Auswahl, Bewertung und Weiterverarbeitung bei Ihnen liegen.
Dabei gilt: Die Vorschläge dienen als Ausgangspunkt und müssen fachlich geprüft, eingeordnet und weiterentwickelt werden.
