Richtig prompten

Wie hilfreich ein KI-Ergebnis ist, hängt wesentlich davon ab, wie präzise und reflektiert eine Anfrage formuliert wird. KI-Tools reagieren nicht eigenständig auf wissenschaftliche Anforderungen, sondern orientieren sich an den Vorgaben, die sie durch sogenannte Prompts erhalten.

Was ist ein Prompt?

Ein Prompt ist die Eingabe oder Anweisung, die Sie einer KI geben, damit sie eine bestimmte Aufgabe ausführt oder auf eine gewünschte Weise reagiert.

Das bedeutet: Die KI arbeitet nicht „von selbst“, sondern reagiert immer auf das, was Sie vorgeben. Stellen Sie sich die KI als äußerst leistungsfähige Assistenz vor, die über enormes Fachwissen verfügt und sehr schnell arbeiten kann. Entscheidend ist jedoch, wie klar Sie formulieren, was Sie von dieser Assistenz erwarten. Unklare oder vage Anweisungen führen in der Regel zu entsprechend unpräzisen Ergebnissen.

Warum ist gutes Prompting wichtig?

Je klarer, strukturierter und vollständiger ein Prompt formuliert ist, desto besser kann die KI relevante und passende Antworten liefern.

  • Fehlende Informationen ergänzt die KI eigenständig – allerdings auf Basis von Wahrscheinlichkeiten.
  • Alles, was Sie nicht explizit vorgeben, entscheidet die KI selbst.

Es ist daher sehr wichtig, sich den Prompt gut zu überlegen und der KI genügend Orientierung zu geben. Nur dann bekommen Sie wirklich passende Antworten. Bei oberflächlichen Prompts bleibt die Antwort oft sehr generisch und allgemein.

Grundprinzip: „Act as if it’s human“

Viele Anleitungen zum Prompt Engineering lassen sich auf einen einfachen Grundsatz reduzieren:

ACT as if it's human.

Formulieren Sie Ihre Anweisung so, als würden Sie mit einer realen Person arbeiten, die genaue und vollständige Instruktionen benötigt.

Aus diesem Gedanken lässt sich das A.C.T.-Prinzip ableiten, das die drei zentralen Bestandteile eines guten Prompts becshreibt. Der Grundsatz „Act as if it’s human“ dient dabei ausschließlich als kommunikative Hilfestellung: Er hilft , Anweisungen klar, vollständig und nachvollziehbar zu formulieren – so, wie man es auch im Umgang mit menschlichen Assistenzpersonen tun würde. Daraus ergibt sich eine bessere Steuerung der KI, nicht eine Zuschreibung menschlicher Eigenschaften.

Ein effektiver Prompt beantwortet drei Fragen:

A. Aufgabe und Ziel : Was genau soll die KI tun?

Beschreiben Sie, welche spezifische Aufgabe die KI in diesem Prompt übernehmen soll, zB:

  • Erklärung
  • Analyse
  • Vergleich
  • Übersetzung
  • Umformulierung
  • Brainstorming
  • Feedback
  • ...

Je konkreter Sie die Aufgabe beschreiben, desto zielgerichteter wird die Antwort ausfallen.

C. Context: Welche Informationen sind für die Aufgabe relevant?

Hier geben Sie der KI den fachlichen, inhaltlichen oder situativen Rahmen vor, die die KI braucht um die Antwort anzupassen. Dazu können gehören:

  • eine zugewiesene Rolle (zB "Du bist Experte für …“)
  • Zielpublikum
  • der Zweck des Textes
  • Themenbereich
  • Situation (Universität, Seminararbeit, Präsentation ....
  • Beispiele
  • Eigene Dokumente
  • ein konkreter Anwendungsfall

Die Definition der Rolle, die die KI übernehmen soll, bietet einen wichtigen Rahmen. Durch die Zuweisung einer Rolle kann die KI die Antwort aus der Perspektive dieser Rolle geben und das dazugehörige Domänenwissen aktivieren.

Der Kontext hilft der KI einzuordnen, für wen und wofür die Antwort gedacht ist.

T. Ton: In welcher Form soll die Antwort erfolgen?

Der Ton bestimmt, in welcher Stilrichtung und in welchem Format die Antwort verfasst sein soll, zB:

  • sachlich und wissenschaftlich
  • einfach und verständlich
  • als Fließtext
  • in Stichpunkten
  • als Tabelle
  • im Stil einer Präsentationsfolie
  • Detailgrad und Grenzen (wie lang, kurz oder ausführlich)
  • ...

Der gewünschte Stil und das Format beeinflussen das Ergebnis erheblich.

Wenn Sie diese drei Elemente in Ihren Prompt aufnehmen, werden Sie schon im ersten Versuch eine viel zielgerichtetere Antwort bekommen. Erfahrungsgemäß sind bei durchdachten Prompts viel weniger Versuche notwendig.

Bonus-Tipps

  • Emotion Prompt verwenden: Bei sogenannten Emotion Prompts werden der Anweisung bewusst emotionale oder wertende Elemente hinzugefügt, etwa Hinweise auf besondere Wichtigkeit oder Konsequenzen. Formulierungen wie "Ich gebe dir 1 Million Dollar" oder "Das ist sehr wichtig für meine Karriere" zielen nicht darauf ab, der KI echte Emotionen zuzuschreiben, sondern dienen als Steuerungssignal für Relevanz und Sorgfalt. Das bedeutet: Die KI gewichtet die Aufgabe stärker und tendiert dazu, ausführlicher, strukturierter oder vorsichtiger zu antworten. (Lesetipp: Large Language Models Understand and Can be Enhanced by Emotional Stimuli)
  • Hinweise zu Diversität und Perspektiven: Klare Anweisungen wie „genderneutral formulieren“, „diverse Perspektiven berücksichtigen“ oder „Sichtweisen marginalisierter Gruppen einbeziehen“ beeinflussen die Gewichtung der KI-Ausgabe und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für ausgewogenere und inklusivere Antworten.
  • Umgang mit Halluzinationen: Formulieren Sie im Prompt ausdrücklich, dass Unsicherheiten kenntlich gemacht werden sollen (zB „Wenn du unsicher bist, sag das bitte.“) Dadurch können Halluzinationen reduziert werden. Ganz ausschließen kann man sie dennoch nicht, dh, Sie müssen die Inhalte trotzdem genau prüfen.
  • Q&A: Man kann nicht an alles denken, daher empfiehlt es ich, die KI zu beauftragen, aktiv bei Ihnen nachzufragen: "Stelle mir so viele Fragen wie nötig, um die Aufgabe gut zu erfüllen."
  • Neues Thema ? Neuer Chat: Wenn Sie ein neues Thema bearbeiten, starten Sie dafür am besten einen neuen Chat. So verhindern Sie, dass frühere Inhalte ungewollt in die Antwort einfließen. Außerdem empfiehlt es sich, die Erinnerungsfunktion auszumachen, sofern Ihr KI Tool darüber verfügt (ChatGPT Erinnerungsfunktion). 

Im Umgang mit KI kommt es manchmal zu Situationen, in denen die KI Ihre Fragen nicht zu verstehen scheint oder unerwartete Antworten gibt. Das Problem lässt sich mit folgenden Tipps oft lösen:

Weitere Tipps

  • Komplexität reduzieren: Wenn Sie der KI komplexe Aufgaben geben, kann es sein, dass diese nicht zufriedenstellend erledigt werden. Hier kann es helfen, die Aufgabe in kleinere Teile zu zerlegen und der KI auch zu sagen, in welcher Reihenfolge die Aufgaben abgearbeitet werden sollen:
    • Mach zuerst X, dann Y
    • Gehe Schritt für Schritt vor
  • Unterschiedliche Formulierungen verwenden: Manchmal hilft es, den Prompt anders zu formulieren, um einen Unterschied zu bewirken.
  • Wissensumfang überprüfen: KI Systeme basieren auf Trainingsdaten, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar waren. Möglicherweise weiß die KI, die Sie verwenden, nichts über aktuelle Ereignisse oder bestimmte Themen (siehe Knowledge-Cut-Off bei u:ai). Wenn sich Ihr Prompt auf etwas sehr Neues oder auf Nischenwissen bezieht, hat die KI möglicherweise keine Antwort. Dann ist die Gefahr von Halluzinationen groß.
  • Pause machen und erneut versuchen: Wenn eine Plattform stark genutzt wird oder vor bzw während technischer Updates reagieren die Systeme manchmal nicht gewünscht. Dann ist es oft die beste Lösung, eine Pause einzulegen und es später nochmals zu versuchen
  • Online Ressourcen nutzen: Viele KI-Plattformen haben hilfreiche Dokumentationen oder Benutzerforen, in denen Sie Tipps und Ratschläge finden können.